Cellesche Zeitung
Mittwoch, 29. September 2004

Wenn der King of Rock mit der Sexpuppe hantiert
Wilde Reiter zeigen Grimm´schen „Eisenhans" in der Eisfabrik


Von Jörg Worat

HANNOVER. „Das waren doch keine Schauspieler", meint nach der Vorstellung beim Verlassen der Eisfabrik eine Besucherin. „Das war ja auch kein Schauspiel" , entgegnet ihr Begleiter. Derartige Irritationen haben zwar ihre Berechtigung – aber letztlich müsste klar gewesen sein, dass man bei „Der Eisenhans" von der Gruppe Wilde Reiter kein herkömmliches Theater erwarten darf.

Die Wilden Reiter sind ein bunt zusammengewürfeltes Ensemble von Menschen, die größtenteils Erfahrung mit der therapeutischen Arbeit des Psychodramas gesammelt haben. Entsprechend hat das Märchen der Brüder Grimm in der Neufassung von Gustav Rottmann einige Veränderungen erfahren.

Zwar tritt ein Jüngling mit einem goldenen Ball auf, auch ein Königspaar und ein Wilder Mann. Aber damit hat sich´s dann auch schon ziemlich. Bei den Grimms steht jedenfalls nichts davon, dass von Zeit zu Zeit ein vollschlanker Elvis – Presley – Verschnitt mit einer Sexpuppe hantiert, eine Verkäuferin Poppkorn feilbietet oder eine Dame ebenso freundlich wie zutreffend ihre alsbaldige Entblößung ankündigt.

Ferner gibt es Videos und fetzige, oft unnötige laute Musik, dazu. Zuweilen driftet das Geschehen ins Gewalttätige, hier und da streift die Vorstellung auch die Grenze zum Chaos. Wobei die Performance durchaus anarchischen Charme, Energie und lustige Pointen zu bieten hat. Das ist allerdings unter dem Strich etwas wenig: Obwohl die Aufführung nur rund 70 Minuten dauert, wirkt sie arg lang.

Weitere Vorstellungen am 30. September, 01., 02., 07., 08., 09. Oktober, jeweils 20 Uhr. Karten unter Telefon ( 0511 ) 81 63 53 .

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