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Hannoversche Allgemeine
Montag, 30. April 2007
Splatter ohne Blut
Wüstes Spektakel: "A true Lovestory"
in der Eisfabrik Hannover
Von Ernst Corinth
Märchen sind oft grausam - obwohl das Grimmsche "Jorinde und Joringel" doch eher zu den harmloseren zählt. Anders verhält es sich, wenn es von den "Wilden Reitern" gespielt wird, einer hannoverschen Psychodrama-Gruppe um den Psychotherapeuten Gustav Rottmann. Als "A true Lovestory" verwandelt sich die Geschichte zweier Liebender (Natalia Filippig, Marc-Andre Bailly), die durch eine böse Hexe (Gabriele Dragon) grtrennt werden und erst am Ende wieder wundersam zueinander finden, in eine Rocky-Horror-Sado-Show der drastischen Art. Und wenn die etwa 20 Darsteller, meist Laien, nicht auf Theaterblut verzichtet hätten, hätte das Ganze wohl auch noch den Charakter eines trashigen Splattermovies bekommen.
Wovon diese knallig-bunte und dank Wolfgang A. Pionteks Regie zum Glück recht kompakte Aufführung genau handelte, bleibt rätselhaft. Joringe und Joringel und ihre Liebe zueinander gingen in diesem manchmal doch arg wüsten Spektakel jedenfalls unter. Stattdessen zitierte das Ensemble viele Schrecklichkeiten, die uns in den vergangenen Jahren bewegt und geschockt haben - etwa die Folter in den irakischen Gefängnissen. Und die per Kopfschuss auf der Bühne gleich reihenweise hingerichteten jungen Menschen erinnerten sogar an ein Schulmassaker.
Und ob das noch nicht des Bösen genug gewesen wäre, wurde die Hälfte der 75-minütigen Spielzeit auch noch von einer Nazi-Domina (sprich: die Hexe des Märchens) bestimmt. Sie schwang brutal die Peitsche und wurde von Wölfen begleitet, die gern und oft den Hitler-Gruß präsentierten. Dann wurde es plötzlich auch noch lustig, als blökende Hirten auf die Bühne kamen, um unfreiwillig komische Fußballerweisheiten zu rezitieren.
Und irgendwann war dann endlich Schluss.
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